Artikel in der Schwarmstedter Rundschau: NNG: Gleiches Geld für gleiche Arbeit

Muss das sein? NGG betreibt Hetze gegen Zeitarbeit im Heidekreis!

In der Schwarmstedter Rundschau vom 20.10.2016 wurde ein Artikel mit der Überschrift „NGG: Gleiches Geld für gleiche Arbeit“  veröffentlicht. Im ersten Satz heißt es: „Immer mehr „Jobs zweiter Klasse“: Die Zahl der Leiharbeiter im Heidekreis hat drastisch zugenommen. Was mögen wohl Jobs zweiter Klasse sein? Der Job selber kann wohl nicht gemeint sein, denn schließlich wird ja kritisiert, dass Leiharbeiter den gleichen Job machen wie das Stammpersonal. Oder ist damit die Bezahlung gemeint? Das kann aber auch nicht sein. Schließlich hat die Zeitarbeit schon seit Jahren einen Tarifvertrag und bezahlt darüber hinaus Branchenzuschläge. Lange bevor der Mindestlohn in Höhe von 8,50 € eingeführt wurde, war dieser bei den Zeitarbeitsfirmen längst tariflich vereinbart. Zum Teil verdienen Leiharbeiter heute schon mehr als die Stammbelegschaft.

Was aber ist nun ein „Job zweiter Klasse“? Am Arbeitsverhältnis selber kann es auch nicht liegen. Viele Zeitarbeitsfirmen stellen ihre Mitarbeiter unbefristet ein, führen die Sozialversicherungsbeiträge ab, gewähren den tariflich vereinbarten Urlaub, leisten Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und zahlen auch Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Gerne wird in Gewerkschaftskreisen auch von prekären Arbeitsverhältnissen gesprochen. Am Ende ist das alles politische Stimmungsmache, denn was ein „Job zweiter Klasse“ genau ist, darauf wird nicht eingegangen. Dennoch hat dieses Abwerten von Arbeitsverhältnissen verheerende Folgen: Gerne werden Zeitarbeiter nämlich als Mitarbeiter zweiter Klasse eingestuft. Diese Ergänzung nimmt das Gehirn nämlich leider von ganz alleine vor. Wenn es Jobs zweiter Klasse gibt, dann gibt es auch Mitarbeiter zweiter Klasse. Ist doch logisch.

Wahrscheinlich war das nicht der Effekt, den die NGG und andere Gewerkschaften erreichen wollten. Dennoch richtet das Verbreiten derartiger Parolen erheblichen Schaden an. Wenn ich nach meinem Beruf gefragt werde und nur kurz antworte “Ich arbeite für eine Zeitarbeitsfirma“, dann ernte ich mitleidige Blicke und Aussagen wie „Naja, es gibt Schlimmeres“. Und das, obwohl ich gar nicht als Leiharbeiter beschäftigt bin, sondern zum Stammpersonal gehöre! Laut Aussage der NGG gibt es im Heidekreis zurzeit 540 Leiharbeiter. Diese Menschen werden durch solche Artikel unnötig abgewertet. Sie sorgen für Ihren Lebensunterhalt und übernehmen Verantwortung. Sie leisten einen gesellschaftlichen Beitrag, der anzuerkennen ist!

Weiter heißt es in dem Artikel, dass die Zahl der Zeitarbeiter von 195 vor 10 Jahren auf heute 544 gestiegen ist. Der gesellschaftliche Wandel macht also auch vor dem Heidekreis nicht halt. Diesen Zuwachs hält die NGG für einen „Wildwuchs im heimischen Arbeitsmarkt“, weil die NGG davon ausgeht, dass auf diese Weise Lohn-Drückerei begangen wird. Mit Zahlen wird dieses jedoch nicht belegt. Im gleichen Atemzug wird von Missbrauch von Werkverträgen gesprochen. Das klingt gerade so, als wenn der Werkvertrag per se etwas Schlechtes sei. Aber allein von der Vertragsgestaltung auf Missbrauch zurück zu schließen, ist doch eine sehr verkürzte Sicht der Dinge.

Fakt ist: es gibt auch in der Zeitarbeit schwarze Schafe. Und das ist nicht gut. Aber mal ehrlich: die gibt es in jeder Branche, ohne dass man gleich eine ganze Branche verurteilt. Was heißt verurteilt: Ganz unverhohlen wird der Tod tausender Dienstleister gefordert, in dem in Berlin entsprechende Regelungen umgesetzt werden sollen, die die Branche deutlich einschrumpfen soll. Was für ein Wahnsinn! Es wird Zeit, der Realität ins Auge zu blicken: Die Gesellschaft wandelt sich und damit auch die Beschäftigungsformen. Und ob es den Gewerkschaften gefällt oder nicht: Dies ist erst der Anfang. Die Zeiten gleichförmiger und lebenslanger Beschäftigung sind lange vorbei.