Unter der geplanten Regulierung leiden vor allem die kleinen Dienstleister, aber am meisten die Mitarbeiter!

Regulierung der Zeitarbeit: der Schuß geht nach hinten los!

Die im Koalitionsvertrag festgesetzte Regulierung der Zeitarbeit geht langsam voran. Mittlerweile liegt ein Gesetzesentwurf vor, der die vereinbarten Punkte umsetzen soll: Equal Pay* nach 9 Monaten und eine Höchstüberlassungsdauer von 18 Monaten. Das Ziel dahinter ist klar: Es sollen möglichst viele Zeitarbeiter in die Stammbelegschaft des jeweiligen Unternehmens übernommen werden. Auf den ersten Blick leuchtet das ja auch ein. Es gibt viele Arbeitsplätze, die mehr oder weniger dauerhaft von Zeitarbeitern besetzt sind. Das würde man gerne ändern. Dahinter steht die Forderung, dass diese Mitarbeiter besser bezahlt werden. Solche Forderungen lassen sich natürlich leicht stellen, so lange man sie nicht selber bezahlen muss. Und genau hier liegt der Haken.

Es wird versucht, über politische Regelungen ein bestimmtes Verhalten von den Unternehmen zu erzwingen. Diese gewünschte Verhaltensänderung hat allerdings mitunter eine erhebliche Kostensteigerung für die Unternehmen zur Folge. Hier aber hört der Spaß auf! Denn schließlich lassen sich diese Kosten häufig nicht mal ebenso über Preissteigerungen wieder reinholen. Und das Wort Kostensteigerung setzt unweigerlich eine gewisse Kreativität bei den Unternehmen frei. Hier mal ein kleines Beispiel, um was es gehen kann: Ein Unternehmen hat zurzeit 20 Zeitarbeiter im Einsatz. Nehmen wir mal an, durch die neue Regelung verteuert sich die Arbeitsstunde um 3,00 €. Bei einer monatlichen Arbeitszeit von 160 Stunden ist die Rechnung einfach: 20 Mitarbeiter x 3,00€ x 160 Std. = 9.600€ im Monat, oder 115.200€ im Jahr!! Für diesen Betrag lohnt es sich, sich mal in Ruhe hinzusetzen und nachzudenken.

Und hier kommt die Lösung: Nach 9 Monaten wird der Zeitarbeiter abgemeldet und von dem Dienstleister in einer anderen Firma eingesetzt, bis er die erforderliche Wartezeit erfüllt hat, so dass dieser wieder zurückkehren kann. Mehrere Unternehmen teilen sich also planmäßig „ihre“ Zeitarbeiter. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die geplante Equal Pay-Regelung wird umgangen und die Mitarbeiter sind trotzdem eingearbeitet. Natürlich kommt es zu einem leichten Produktivitätsrückgang, wenn der Mitarbeiter eine zeitlang bei einem anderen Unternehmen eingesetzt war und nun an seinen alten Arbeitsplatz zurückkehrt. Aber das ist nur gering und betrifft vielleicht die erste Arbeitswoche. Danach ist der Mitarbeiter wieder voll drin. Allemal billiger, als eine dauerhafte Steigerung der Kosten pro Arbeitsstunde.

Die Verlierer sind die kleinen Dienstleister und vor allem die Mitarbeiter. Den kleinen Firmen, denen die nötige Kundenmasse fehlt, damit die Mitarbeiter fröhlich durchgetauscht werden können, droht, ihre Kunden an die großen Unternehmen im Markt zu verlieren, die die nötigen Tauschpartner bereits haben. Dieses wird für das eine oder andere kleinere Unternehmen den Tod bedeuten. Wie Schade! Denn gerade diese Unternehmen gehen mit ihren Mitarbeitern häufig sehr gut um. Und für die Mitarbeiter, die bisher an einer Stelle fest eingesetzt waren und somit wussten, wo sie hingehören, sind die schönen Zeiten auch vorbei. Sie werden einfach wie Material hin und her geschoben. Sie gehören nicht mehr dazu, die soziale Bindung geht verloren, ebenso wie die eine oder andere entstandene Freundschaft am Arbeitsplatz. Damit bewirkt die vorgesehene Regulierung genau das Gegenteil, nämlich eine Verschlechterung für die Zeitarbeitnehmer.

*Equal Pay bedeutet, dass die Zeitarbeitnehmer genauso entlohnt werden wie die Stammmitarbeiter